Elisabeth Johannsen

• Anerkannte systemische Berater- und Aufstellerin der
Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen
• Diplom für phänomenologische Therapie und Beratung, sowie LIP-Therapeutin und –Aufstellerin nach W. Nelles
• Referentin pädagogischer und psychologischer Themen für Lehrer, Erzieher, Eltern, Sozialpädagogen, Frauen, Männer…
• Weiterbildungen in Hypnotherapie, NLP, Geburtsvorbereitung
• Dipl. Religionspädagogin, staatlich anerkannte Erzieherin
• Seit 1988 in der Beratung tätig, ab 2001 in eigener Praxis
• Verheiratet, drei erwachsene Kinder

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POST FÜR SIE

Ihr Lieben alle!

Was ich zu Corona und den Auswirkungen des Virus denke, habe ich ja schon im März auf meiner Homepage veröffentlicht und kann nur sagen: So sehe ich das immer noch (siehe unten)

In dieser „Post für Sie“ will ich mich mit einem anderen – auch immer wieder neu aktuellen – Thema befassen: Der häufig benannten Sehnsucht nach Nähe.
In Partnerschaften, Freundschaften, zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern … gibt es immer wieder die zutiefst schmerzliche Empfindung fehlender Nähe. Oder anders ausgedrückt: In all diesen Beziehungen wirkt eine große Sehnsucht nach Nähe, die (oft) unerfüllt bleibt.

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Und dann geht die Analyse los: Was habe ich falsch gemacht, was hat mein Gegenüber falsch gemacht, warum bleibt die Qualität der Verbundenheit, des Sich-Verstehens, die ersehnte und erhoffte Nähe (die wir schon miteinander erlebt haben!) aus? Die Diskussionen – ich denke, die meisten von Ihnen und Euch kennen sie – führen nicht wirklich weiter. Im Gegenteil: Meistens ist die Beziehung hinterher schwieriger, verspannter, holpriger … Und ich halte das für sehr verständlich, denn beide Beteiligten haben sich intensiv mit Vorwürfen und dem, was fehlt beschäftigt! Und das führt mindestens zu Ermüdung, meist auch zu Traurigkeiten und dem Empfinden, ungerecht behandelt zu werden … mal wieder geloost zu haben!
Was intellektuell gefordert wird – nämlich in aller Ruhe, mit Offenheit und dem Mut Fehler zuzugeben das jeweilige ­Beziehungserleben zu „untersuchen und auszuwerten“
– führt nur in den seltensten Fällen zu einer gedeihlichen Weiterentwicklung (ich behaupte, es sind ungesteuerte Glücksfälle, wenn es gelingt!), weil die gegenseitigen Seelen-Schmerz-Beschreibungen in der Tiefe unsteuerbar Versagens-, Schuld- und Opfergefühle erzeugen. Jede/r der Beteiligten fühlt sich hilflos und betrogen – obwohl das größtmögliche Maß an Ehrlichkeit gelebt wurde!

Tragisch! Das meine ich total ernst. Ich habe es ja selbst zig mal so erlebt! Es ist die Folge der Orientierung an etwas, das im Außen ist: Ich suche in meinem Gegenüber Nähe zu mir. Für Kinder ist das nicht anders möglich: Die Nähe der Eltern, der Großeltern, der Erzieher/in, der Lehrer/in … ist für sie existentiell notwendig, weil sie nicht autark leben können. Sie sind definitiv abhängig von der Zuwendung. Doch Erwachsen-sein bedeutet: Sich all das selbst geben, was früher die Eltern gegeben haben – oder auch nicht gegeben haben. Wer sich selbst so ernst nimmt, wie er/sie es von den Eltern erlebt hat oder auch wie er/sie es sich von den Eltern gewünscht hat, ist sich selbst sehr nahe! Menschen, die sich in dieser Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit selbst wahr nehmen und versorgen, sind ganz bei sich … und können spüren wie jemand anderes sich nähert. Oder einfacher ausgedrückt: Nur wer bei sich Zuhaus ist, kann erleben dass er/sie besucht wird! Wer hinterm Gartenzaun des Partners, der Freundin, des Bruders … steht und ihn/sie analysiert, wird nicht hören, dass es an der eigenen Wohnungstür klingelt. Seid Euch selbst nahe – ganz besonders dann, wenn Ihr durch Euer jeweiliges Gegenüber an schmerzliche Grenzen/Vorerfahrungen in Euch geführt werdet! Fragt Euch IN ­dieser Situation: Was kann ich mir selbst jetzt geben, um diesen Schmerz zu lindern oder sogar zu heilen? Wenn wir uns dieser Aufgabe immer wieder stellen, ist gewiss: Dann werden uns unzählige Momente erfüllender Nähe in der Begegnung und Beziehung mit mir selbst und postwendend auch mit allen anderen um mich herum – den ganz, ganz wichtigen und auch weniger wichtigen – geschenkt !! !

Weiterhin mit Euch auf diesem ebenso beglückenden wie anstrengenden und manchmal enttäuschenden, aber immer weiter entwickelnden Weg grüßt Sie und Euch von Herzen

elisabeth_johannsen

Hambach, 24. Juli 2020

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Ihr Lieben alle!

Es ist mir ein Herzensbedürfnis an dieser Stelle alle, die sich für meine Arbeit interessieren und ihr vertrauen, wissen zu lassen, welche Gedanken sich anlässlich der aktuellen Situation in mir regen …

Es scheint als steht die Welt Kopf: Unvorstellbare Entwicklungen bestimmen unseren Alltag und unsere Zukunft. Es geht tatsächlich – wir hören und erleben es stündlich – um Leben und Tod: Menschen erliegen innerhalb von Tagen den tödlichen Folgen eines aggressiven Virus, andere erleben innerhalb kürzester Zeit ihr wirtschaftliches Aus! Und niemand kann wirklich absehen, welche Folgen der Ausbruch dieses Virus kurz- wie langfristig noch haben wird … Viele Menschen spüren große Angst – in manchen Momenten ich auch! Auf den ersten Blick scheint das, was passiert, vielleicht völlig neu oder wie nie da gewesen. Lassen Sie uns für ein paar Momente zurückschauen in die Geschichte der Menschheit … dann wird schnell deutlich, wie oft auf Blütezeiten Katastrophen folgten und wie oft Katastrophen die Voraussetzung für eine neue Blütezeit waren!

Was unsere jüngste Vergangenheit betrifft, verdanken wir dem menschenverachtenden Regime des Nationalsozialismus und flächendeckenden Zerstörungen durch den 2. Weltkrieg Erfindungen und Entwicklungen, zu denen Menschen ohne Not in so kurzer Zeit vermutlich nicht gefunden hätten. Allem voran haben die dramatischen Erfahrungen eine demokratische Grundhaltung und Willensstärke entstehen lassen, aus der wir nun schon 70 Jahre Rückhalt schöpfen …

Das heißt natürlich nicht, dass die Katastrophe nicht wirklich katastrophal und zerstörerisch war – Millionen von Menschen mussten ihr Leben lassen und Millionen von Menschen blieben verwaist, trauernd, krank und in wirtschaftlicher Not zurück. Und wenn wir nun auch erst am Anfang der Corona-Krise stehen, zeichnet sich ab, dass auch diese Katastrophe auf brutale Weise Opfer fordert und fordern wird.

Es drängt sich die wesentliche Frage auf, ob sich auch schon abzeichnet, ob und wenn JA welche Blütezeit dieser Katastrophe erwachsen könnte?

Ich weiß es nicht, was erwachsen kann.

Ich HOFFE, dass wir alle miteinander WESENTLICH MASSVOLLER mit den uns anvertrauten Gütern umgehen! Denn meines Erachtens ist das, was wir mit der Corona-Krise erleben, die Quittung für unser maßloses „schneller, höher, weiter, mehr, Ich-kann-was-ich-will …“. Ich spreche ganz bewusst von Quittung, im Sinne von „es wird etwas quittiert“; so wie gezahlte Geldscheine/-stücke mit einem Stück Papier belegt werden, belegt diese Corona-Krise unser Tun und Lassen der letzten Jahrzehnte. Es hat bereits einige deutliche Hinweise auf das von uns Menschen „gepflegte“ und nun „quittierte“ Ungleichgewicht gegeben: Die Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl (1986), der seit langem bekannte und bedrohliche Klimawandel mit seinen überflutenden und stürmischen Auswirkungen, die Weltfinanzkrise ab 2007, die Katastrophe 2011 von Fukushima (und dennoch werden zur Stromerzeugung weiterhin Atomkraftwerke genutzt wie neu erbaut!), die steigenden Zahlen der Burnout-betroffenen Menschen, spiel- und mediensüchtige Kinder/Jugendliche und einiges mehr … Jeder dieser „Hinweise“ führte zu Konsequenzen, sei es politisch, wirtschaftlich oder auch im Leben der Menschen wie Du und ich. Doch wie die jetzige Situation zeigt, waren diese Konsequenzen nicht genug, um das globale wie individuelle Gleichgewicht zu erhalten. Politiker können nur so mutig voran geh’n, wie das Volk in deren Auftrag sie handeln, ihre Entscheidungen mitträgt – so habe ich es einmal von Wilfried Nelles, meinem geschätzten Lehrer, gehört.

Die Corona-Krise kann nicht nur durch Medizin, Politik und Wirtschaft gestaltet und schließlich durchstanden werden: Sie ist unser aller Aufgabe zur Selbsterkenntnis und mutigen Verhaltensänderung! In diesem Sinne kann diese, große Opfer fordernde und zutiefst schmerzliche, Korrektur auch Segen bringen und werden … Das bestätigen bereits jetzt jüngste Veränderungen: China’s Dauersmog hat sich aufgelöst, sodass die Menschen seit einigen Wochen in der Nacht wieder Sterne sehen und Venedigs Wasser ist so sauber wie schon lange nicht mehr, Menschen, die nicht außergewöhnlich beruflich belastet sind, erleben durch die notwendigen Kontakteinschränkungen im Alltag erholsame Entlastung … UND: Die Klimaziele werden erreicht!

Vaclav Havel sagte einmal: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“

Als überzeugte Christin will ich anfügen: Zu dieser Hoffnung, dass es Sinn macht, kommt für mich die Überzeugung, dass Gott selbst, die Quelle allen Lebens, alles, was zu durchstehen ist, in und mit jedem von uns durchsteht. So geh‘ ich mit Euch durch diese Tage, die nicht ungewisser sind als alle Tage, die wir zuvor erlebten – wir haben uns nur vorgestellt, eingebildet, darin verloren und verirrt (!), dass wir wüssten wie das Leben morgen wird …

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Und was sollen wir jetzt konkret tun, in dieser schweren, aufgewühlten Zeit?
Naja, ich glaube genau das, was wir immer tun sollen: Genau die sein, die wir sind. Mich nicht größer machen und nicht kleiner, sondern genau die Qualitäten leben und einbringen, die ich tatsächlich habe – NICHT mehr und NICHT weniger. Das ist unsere Lebensaufgabe …

Es gibt einen Weg …

Ich freu’ mich SEHR auf unsere Wiedersehen …

elisabeth_johannsen

Hambach, 26. März 2020